Philosophie

Was heißt Mehrstufenklasse (MSK)?

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Eine Mehrstufenklasse hat 6 Säulen, auf der sie steht:

  1. Zeitrahmen: Diese Säule ist ein „Juwel“ in der MSK, denn Kinder können bis zu 5 Jahren für ihre VS-Zeit benötigen ohne ihren Klassenverband zu wechseln. Gerade im Grundschulalter ist die Streuung im Reifegrad groß. Dieses 5. Jahr erfahren hier Eltern und SchülerInnen als Geschenk und nicht als Rückstufung, Sitzenbleiben oder Wiederholen.
  2. Sozialrahmen: Dies ist einer der wichtigsten Säulen der Mehrstufenklasse. Den SchülerInnen werden Beziehungen zu jüngeren, älteren und gleich alten Kindern ermöglicht. Das Kind erlebt so im Verlauf ihrer Volksschulzeit verschiedene Rollen. DieUnterschiedlichkeit, das Anders sein wird hier als Lernchance und Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung für alle Kinder gesehen. Dies bietet eine gute Ausgangssituation, um die zwei Grundbedürfnissen zu stillen. Unerlässlich ist das Vorbild, die helfen sich in fragwürdigen Gemeinschaften oder fragwürdigen Aufgaben nicht zu verlieren. In der Schule ist dies der Lehrer, die Lehrerin. Auch das jährliche Verabschieden von Vertrauten sowie das Integrieren einer neuen Gruppe ist ein wichtiger Aspekt. Ein Umgang mit diesen Themen (Verabschiedung, Begrüßung) kann hier erfahren werden.
  3. Inhaltliche Rahmen: Unterrichtsthemen, Vorschläge werden auch von den Kindern eingebracht und im Unterricht umgesetzt.
  4. Wir öffnen die Arbeitsweise: vielfältiges Lernangebot und vielfältiges Arbeitsmaterial bietet die Möglichkeit, selbsttätig zu sein oder begleitet zu werden.
  5. Wir öffnen den Lernraum: Während der Wochenplanarbeit bzw. Programmarbeit arbeiten die Kinder vorwiegend am Stammplatz, jedoch gibt es Gruppentische am Gang für die Arbeit in Kleingruppen, die Bibliothek und die Planetenklasse für Leseaufgaben.
  6. Beurteilungsform: KDL = Kommentierte Direkte Leistungsvorlage – Erklärung dazu finden Sie unter Schwerpunkte, Beurteilung

 

Wie schaut der Unterricht in der MSK aus?

Die Glocke ertönt nur mehr 4 x (zu Unterrichtsbeginn und -ende und zur großen Pause). So können die Kinder ungestört arbeiten und ein freies, offenes Lernen ist möglich.

Jedes Kind hat seinen Stammplatz in einer der drei Stammklassen: Computer-, Schmetterlings- und Sonnenklasse. Drei Stammklassen sind durchmischt mit Kindern der 1. – 4. Lerngruppe. Ein gemeinsamer Beginn in der Stammklasse erfolgt an den ersten 3 Wochentagen. Die Kinder arbeiten hier vorwiegend am Stammplatz. Die Schule bietet zum Lesen die Bibliothek oder auch die Planetenklasse, es sind auch Gruppentische im Erdgeschoß und im 1. Stock zu finden, wo die Kinder in Kleingruppen arbeiten können.
Um eine bessere Übersicht über die Lernmaterialien zu haben, sind die Schmetterlingsklasse und die Computerklasse die Lernfachräume für Mathematik und die  Sonnenklasse für Deutsch.

In der Planetenklasse steht ein fixer Sesselkreis, wo sich alle Kinder  zu Musik, Sachunterricht und Dingen treffen, die wir alle gemeinsam erarbeiten, besprechen. Ein differenziertes Eintragen in die Hefte erfolgt in der Stammklasse.
Hier ist eine andere Weltschau das Ziel; basierend auf der Kosmischen Erziehung von Maria Montessori – vom Makrokosmos zum Mikrokosmos; Weltgeschichte und Gesellschaftskunde
im ganzheitlichen Kontext; Experimente und Naturerfahrung. Wesentlicher Bestandteil sind hier die Weltreisen mit der pazifikorientierten stummen Weltkarte und die faszinierende, sehr strukturierte Welt der Natur.

Kosmische Erziehung ist die pädagogische Antwort auf die Entwicklungsbedürfnisse des Kindes im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Es geht um das Kennenlernen der großen und kleinen Zusammenhänge, um die Einführung in alle Wissensbereiche. Es umfasst alle Themenbereiche – auch die Mathematik, Musik, Kunst, Sprache, usw.
Der Begriff „kosmische Erziehung“ wurde eingeführt, um die Verbundenheit der verschiedenen Themenbereiche zu betonen.
Es geht hier

  • um den Weg (vom Ganzen zum Detail und auch anders herum)
  • um das Kennenlernen großer Zusammenhänge
  • nicht um abfragbares Faktenwissen, sondern um das „Säen von Interessensamen“: Begeisterung, Bewunderung, Interesse, Achtung bilden die Grundlage der Bildung
  • um die wertschätzende Haltung gegenüber sich selbst, den Mitmenschen, allen Lebenwesen sowie der gesamten Welt. Montessori spricht für uns Erwachsene von der „Liebe zu den Kinden und dem Universum“
  • um die Wahrnehmung der Verantwortung, die der Mensch gegenüber der Schöpfung hat.
  • um die Fähigkeit zum friedlichen Zusammenleben und somit um das Wahrnehmen der Unterschiede, der Besonderheiten und die Wertschätzung dieses Unterschiedes, dieses Besonderen.

Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther (Gehirnforscher) hat dies in einem treffenden Satz zusammengefasst:

„Alle Kinder haben zwei Grundbedürfnisse:
Sich geborgen, zugehörig, verbunden zu fühlen und täglich über sich hinauszuwachsen.“