Malatelier – Malspiel im Weinviertel

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„Alle Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, KindergärtnerInnen, Pfleger usw. sollten die Formulation kennenlernen, damit die kostbare Äußerungsmöglichkeit im Kind erhalten bleibt und nicht durch Fehlbeurteilungen der Erwachsenen verfremdet wird: zu Kunstparodien, die aus Unterwerfung entstehen, mit dem Ziel, der eitlen Erwartung der Erwachsenen zu entsprechen.”
ARNO STERN

Grazyna Matejczuk hat bei Arno Stern die Ausbildung dazu gemacht und sie hatte die Idee, doch so einen Malort in der VS Großharras anzubieten. Für Patricia Grawatsch war/ist es wichtig, dass jedes Kind Gelegenheit bekommt, diesen Malort zu besuchen und so erstellte man ein Konzept, diesen in den Unterricht zu integrieren. Nachdem Herr und Frau Matejczuk gemeinsam die Platten für die Wand in der Turnsaalgarderobe befestigten, Farben und Papier bestellt wurden, stand einem Probestart zum Ende des Schuljahres 2013/14 nichts mehr im Wege. Den Kinder gefiel der Palettentisch und sie gingen mit Eifer an die Sache heran und mit Staunen fragten manche gleich: „Wirklich, wir dürfen malen, was wir wollen!“ Auffallend ist, je jünger, desto unbekümmerter wird gemalt.
Nach dem gelungenen Start und dem positiven Feedback der Kinder und Eltern und Lehrerinnen gibt es seit dem Schuljahr 2014/15 einen fixen Tag für das Malatelier und stellte das Konzept beim Elternabend vor.
Fast jeden Montag – im Stammklassenbetrieb – wird das Malatelier geöffnet. Zwei- bis dreimal 8 Kinder pro Stammklasse malen. Grazyna führt genau Liste, damit jedes Kind gleich oft drankommt.

Grundsätze – was muss beim Malort beachtet werden?

  • die Kinder malen ohne Vorgaben, Kritik und Beurteilung in einem geschütztem Raum
  • sie malen unbeeinflusst nur für sich und denken an keinen Betrachter
  • es werden keine Kunstwerke geschaffen, wichtig ist Erleben und Tun
  • das Malen wird zu einem beglückenden Spiel, wo die Kinder ihre Träume, Wünsche oder Erfahrungen inszenieren und erleben können
  • es führt zu einem natürlichen Sich-Selbst-Wiederfinden und trägt zur Entfaltung und Stärkung der Persönlichkeit bei

Bei Fragen und weiteren Infos können Sie Frau Grazyna Matejczuk unter 0699-10326266 oder unter g.matejczuk@gmail.com kontaktieren.

ZUR FORSCHUNG

Arno Stern hat erforscht, wie Kinderzeichnungen sich über Jahre entwickeln, wenn sich Erwachsene in den Entstehungsprozess generell nicht einmischen. Diese Forschung wirft ein ganz neues Licht auf die themenfreien Zeichnungen der Kinder.

Wie hat er geforscht?

Er beobachtete zuerst einmal genau das Geschehen in seinem Malort. Dann reiste er, um zu überprüfen, ob dieser entdeckte Entwicklungsprozess auf den Kinderbildern bei allen Kindern dieser Welt gleich ist.

Was entdeckte er?

Auf Forschungsreisen zu nichtzivilisierten Völkern auf der ganzen Welt entdeckte er, dass die Zeichen, die in seinem Malort entstehen, gleichzeitig die Spuren aller Menschen sind: ob Großstadt-, Wüstenmensch oder Buschbewohner. Sogar auf Felsritzzeichnungen der Steinzeitmenschen hat man sie gefunden. Er hat sie gesammelt und katalogisiert und folgendes festgestellt: frei gemalte Zeichen besitzen einen grammatikalischen Aufbau, einen Code, bestehend aus ca. 70 Formen und Zeichen, welche nacheinander oder auch gleichzeitig gemalt werden können. Aus diesen ersten Graphien, die Kinder im Sand, auf einer beschlagenen Scheibe, auf einem Blatt Papier malen, entwickeln sich alle späteren Formen und Zeichen. So lange das Kind ungestört und ohne äußere Wertung dem Malen nachgehen kann, entwickelt sich diese ‚Formulation‘ nach einem universellen Muster: von der ersten Kritzelzeichnung über Erstfiguren, Bilddinge, der Raumentwicklung und der Perspektive bis zu freien Hauptfiguren im Erwachsenenalter.